Skandinavien & Meer
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Finnland von A-Z

Nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kamen die Vorfahren der Finnen gleich nach der Eiszeit vor ca. 9.000 Jahren aus dem Süden und Südosten ins heutige Finnland. Der christliche Glaube wurde vor etwa 1.000 Jahren fast zeitgleich von Osten und Westen nach Finnland gebracht, so daß es heute zwei Staatsreligionen gibt, die evangelisch-lutherische (86 % der Bevölkerung) und die orthodoxe (ca. 1 %).

In den Einflussbereich der schwedischen Krone geriet Finnland zur Zeit der Kreuzzüge im 12. und 13. Jh. Ab dem angehenden 16. Jh. war Finnland ein Herzogtum.

Mit dem allmählichen Aufstieg Russlands zur Großmacht kam es immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Schweden und dem Zarenreich, das seine Machtsphäre nach Nordwesten zu erweitern suchte. Nach einem Vertrag zwischen Napoleon und Alexander I. erhielt Finnland den Status eines weitgehend autonomen Großfürstentums unter Beibehaltung der schwedischen Gesetzgebung mit eigener Münze, Post und Eisenbahn. 1812 verlegte der Zar die Hauptstadt von Turku nach Helsinki. Offizielle Landessprachen waren Finnisch und Schwedisch.

Unter Zar Nikolaus II. bekamen die Panslawisten Oberhand, die zunehmend die nationalen Minderheiten im Reich unterdrückten. Das bekamen auch die Finnen zu spüren. Die Niederlage Russlands im Krieg gegen Japan und die nachfolgenden Unruhen im Land zwangen den Zaren zu einer nachgiebigeren Haltung. Russland bekam ein eigenes Parlament. Daraufhin nutzte 1906 Finnland die Chance zur Bildung einer eigenen, äußerst progressiven Volksvertretung mit gleichem aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen und Männer.

Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches 1917 erklärte sich Finnland am 6. Dezember des gleichen Jahres für selbstständig. Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen rechten und linken Kräften um die zukünftige Gesellschaftsform siegten die "Weißen" mit deutscher Hilfe über die "Roten". Finnland wurde 1919 eine westliche Demokratie mit liberaler Wirtschaftsordnung.

Der Frieden währte nicht länger als zwei Jahrzehnte. Stalin verlangte von Finnland Gebietsabtretungen zur Sicherung der Flanke nach Leningrad. Die Ablehnung dieser Forderungen führte zum Winterkrieg 1939-40. Trotz vieler überraschender Siege mussten die Finnen unter Marschall Mannerheim vor der feindlichen Übermacht kapitulieren und weite Teile Kareliens abtreten. Im 2. Weltkrieg führte Finnland den sogenannten Fortsetzungskrieg um die verlorenen Gebiete.

Im Friedensvertrag von 1947 fiel ein Großteil Kareliens endgültig an die Sowjetunion. Finnland mußte außerdem Reparationsleistungen im Gegenwert von mehr als 500 Mio. US-Dollar erbringen. Gleichzeitig forderte der Wiederaufbau des Landes und die Ansiedlung von 400.000 vertriebenen Kareliern ungeheure Anstrengungen. Trotz alledem entwickelte sich Finnland innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem wohlhabenden Staat mit sozialer Sicherheit, hohem Lebensstandard und neuester Technologieentwicklung.

 

Jahreszeiten:

Herbst
In den Monaten von September bis Oktober finden Natur und Menschen nach der intensiven Aktivität des Sommers zur Ruhe. Das ganze Land verfärbt sich atemberaubend bunt. Ein Farbenmeer, für das die Finnen sogar ein eigenes Wort haben: “ruska”. Das Rot, Braun und Gelb des Herbstes lässt sich im September vor allem im lappländischen Fjell genießen – Kenner und Aktivurlauber halten diese Zeit für die schönste Wanderzeit im finnischen Norden. Doch die Natur halt nicht lange inne: Kaum hat sich der Norden bunt verfärbt, folgt meist schon der erste Frost. Und auch im Süden suchen die Menschen dann schnell nach Ersatzgenüssen für das belebende Licht des Sommers.


Winter

Wer für die Monate Dezember bis Februar ein Ziel für einen perfekten Winterurlaub sucht, sollte sich für Ost- und Nordfinnland entscheiden. Hier gibt es immer viel Schnee, auch wenn ein Winter einmal wärmer als normal sein sollte. Dagegen ist die Schneedecke in den Küstenregionen nicht selten eher dünn. Besonders lang ist die Wintersaison im hohen Norden Finnlands: Schon im November fällt hier der erste Schnee, der sich bis in den Mai halten kann. In den ländlichen Gebieten von Süd- und Mittelfinnland fällt der erste Schnee meist Anfang Dezember. Auf offenen Flächen schmilzt er Mitte bis Ende April. In den Wäldern aber – die immerhin rund 65 Prozent der Fläche Finnlands ausmachen – hält sich die weiße Pracht bis Anfang Mai.

Hochsaison für Wintersport ist Anfang Februar. Im März und April sind die Tage in Lappland so lang, dass man im Sonnenschein bis zu 16 Stunden Wintersport betreiben kann. Selbst nachts kann man auf Tour gehen – ohne künstliches Licht dabeihaben zu müssen. Als Daumenregel gilt: Schneebindungen und Sonnenscheindauer machen Wintersport im Süden Finnlands besonders ideal im März. Im Norden ist dagegen der April der perfekte Wintersportmonat.
Der finnische Winter dauert rund ein halbes Jahr. Er erlaubt zahlreiche Winter(sport)aktivitäten in wunderschöner Umgebung. Zwar sollten Sie sich auch in Finnland im Winter entsprechend kleiden – doch die Kälte ist hier nicht so unangenehm, wie man meinen könnte. Denn anders als im eher feuchten Mitteleuropa herrscht in Finnland ein trockenes Kontinentalklima. Die Finnen habe sich darauf so perfekt eingestellt, dass auch in den kältesten Phasen des Jahres alles seinen normalen, pünktlichen Gang geht.

Auch Infrastruktur und öffentlicher Transport funktionieren unter allen Wetterbedingungen. Die Straßen werden geräumt und gestreut, falls nötig auch mitten in der Nacht. Auch die Züge verkehren fahrplanmäßig, es sei denn, ein starker Sturm sorgt doch einmal für Verzögerung. Auch Finnair, die nationale Luftfahrtgesellschaft, arbeitet unter allen Verhältnissen zuverlässig. Und natürlich sind alle Einrichtungen wie Hotels, Geschäfte oder Restaurants, ob in Helsinki oder den Wintersport Resorts im hohen Norden, immer wohlig warm geheizt.

Frühling

Die Monate März bis Mai vergehen wie im Flug – nach einem langen Winter beginnt die Natur auf einen Schlag zu erwachen. Überall wächst und grünt es, ganz Finnland erneuert sich. In Helsinki und im Süden des Landes schmelzen Schnee und Eis meist schon ab Mitte März. Im Norden hält sich die Kälte dagegen hartnäckig oft noch bis weit in den Mai. Für alle Finnen beginnt das Frühjahr so richtig am 1. Mai, Vappu: Die warme Jahreszeit wird an diesem Tag überall im Land mit großen Feiern festlich eingeläutet – ein psychologisch wichtiges, fast spürbares Aufatmen nach einem langen Winter. Um diese Zeit sind Finnlands Wälder schon von Anemonen und anderen Wildblumen bedeckt. Und die Bäume tragen frisches Grün. Noch verhindern Frühjahrsstürme, dass die Seen im Land und die Küstengewässer sich erwärmen – was wagemutige Schwimmer nicht an einem ersten Bad hindert.

Sommer

Von Juni bis August zeigt Finnland seine schönsten Seiten. Die Tage sind lang und strahlend hell. Unberührte Seen und tiefe Wälder schenken Anwohnern und Gästen Ruhe und faszinierende Möglichkeiten für einen unvergesslichen Aktivurlaub. Orte und Städte sind erfüllt von Leben – obwohl doch eigentlich alle Finnen draußen auf dem Land in ihren Hütten am See sind oder an der Küste mit ihrem (Segel-)Boot die Freizeit genießen. Ein Höhepunkt der “Stadtflucht” ist Mittsommer: Am längsten Tag des Jahres zieht es alle Finnen wie magisch hinaus in die Natur. Liegt dieser in der Woche, feiert man am darauf folgenden Wochenende. Die Wochen nach Mittsommer sind erfahrungsgemäß auch die Woche mit dem besten Wetter. Dabei erreichen die Temperaturen im Juli und August nicht selten 20° C, ja 30° C und mehr. Dann ist es vor allem im hohen Norden Finnlands, wo die Sonne wochenlang über dem Horizont steht, oft so hell, dass Reisende nur schlecht schlafen können.

 

Land in Kürze:

Mit 338.000 qkm ist Finnland das siebtgrößte Land Europas. Größte Länge 1.160 km, größte Breite 540 km, 187 888 Seen, 179 584 Inseln. 10 % der Fläche ist von Wasser, 68 % von Wald bedeckt und rund 6 % der Landfläche sind landwirtschaftlich benutzt. 586 km Grenze mit Schweden, 727 km mit Norwegen und 1269 km mit Russland.

Von den rund 5,2 Mio. Einwohnern sind 92,4 % finnisch-, 5,6 % schwedisch- und rund 1 700 samischsprachig. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 15 Personen/qkm.

Die größten Städte sind Helsinki (560.000 Ew.), Espoo (221.000 Ew.), Tampere (199.000 Ew.), Vantaa (182.000 Ew.), Turku (174.000 Ew.) und Oulu (124.000 Ew.).

Finnland ist seit 1917 eine unabhängige Republik, Nationaltag ist am 6.12. Das Parlament besteht aus 200 Mitgliedern, die für vier Jahre (2007) gewählt werden. Darunter sind zurzeit 84 weibliche Abgeordnete. Größte Partei ist die Zentralpartei mit 51 Sitzen, weitere Parteien sind die Koalitionspartei mit 50, die SPD mit 45, die Linken mit 17, die Schwedische Partei mit 9, die Grünen mit 15, die Christliche Partei mit sieben sowie Wahre Finnen mit fünf Sitzen und Åland Inseln mit einem Sitz. Die Regierung besteht aus 20 Ministern, darunter 12 sind Frauen.

Der finnische Ministerpräsident heißt Matti Vanhanen.

Staatspräsidentin ist Frau Tarja Halonen, gewählt im Jahr 2006 für sechs Jahre.

 

Religion:

Das Christentum kam vor etwa 1000 Jahren nach Finnland – und zwar nahezu zeitgleich aus Osten und Westen. Dies ist der Grund dafür, dass sowohl die Ev.-luth. wie die Orthodoxe Kirche offizielle Staatsreligionen sind. Rund 86 Prozent der Finnen gehören der ersteren, rund 1 Prozent der letzteren an. Beide Religionen stehen unter dem Schutz der staatlich garantierten Religionsfreiheit.

 

Sprachen :

Finnland ist ein zweisprachiges Land. 93,0 % der Bevölkerung nennen Finnisch, 5,8 % Schwedisch ihre Muttersprache. In Lappland sprechen etwa 1.700 Einwohner Samisch. Die rund 300.000 schwedischsprachigen Finnen leben vor allem im Schärengürtel, an der Südküste und in Österbotten (am Bottnischen Meerbusen).

Weltweit betrachtet ist Finnisch für nur etwa fünf Millionen Menschen Muttersprache. Deshalb sind gute Fremdsprachenkenntnisse für alle Finnen ein Muss. Diese Tatsache wiederum kommt ausländischen Reisenden zugute. Vor allem in den Städten gibt es kaum Verständigungsprobleme. Viele Finnen sprechen Deutsch, die meisten Englisch. Und selbst dort, wo die verschiedenen Sprachen einmal nicht zueinander finden, helfen die sprichwörtliche Gastfreundlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Finnen weiter.

Anders als die Sprachen der Nachbarländer ist Finnisch nicht indoeuropäischen Ursprungs. Es gehört zusammen mit dem eng verwandten Estnisch und dem sehr entfernt verwandten Ungarisch zur finnisch-ugrischen Sprachgruppe, zu der heute insgesamt etwa 20 Mio. Menschen gezählt werden.

Kennzeichnend für das Finnische ist neben dem Fehlen von Artikeln auch die geringe Zahl von Präpositionen, die zumeist durch Kasus (Fälle) des Substantivs ersetzt werden. Beispiel: auto = das Auto, autossa = im Auto, autoon = zum Auto (hin).

 

Währung:

Die offizielle Währung ist der Euro. Die 1 c und 2 c Münzen sind nicht im Umlauf, die Preise werden auf 5 c gerundet. 1 CHF = 1,6238 € (Stand Mai 2008).

 

Wirtschaft:

Das Fundament der finnischen Wirtschaft ist traditionell eines der größten Geschenke der Natur: der Wald. Auch heute noch ist die Forstindustrie wichtig, auch wenn der internationale Wettbewerb in diesem Bereich größer geworden ist. In den zurück liegenden Jahrzehnten entwickelten sich aber auch die verarbeitende Industrie, Ingenieurskunst und Hochtechnologie zu wichtigen Standbeinen der Ökonomie. Der entscheidende Faktor in den letzten rund zwanzig Jahren aber war die ohne Frage der Aufstieg des Telekommunikationsgiganten Nokia. In seinem Schatten entstand ein breites Spektrum weiterer IT-Firmen.

Die Wachstumsrate der finnischen Wirtschaft liegt über dem der meisten OECD-Mitgliedsländer. Dennoch haben die Investitionen trotz des derzeit rasanten Wachstums noch nicht wieder das Rekordniveau erreicht, das vor der Rezession der 1990-er Jahre bestand. Das finnische Bruttoinlandsprodukt soll laut Schätzungen 2006 um 3,7 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote liegt bei vergleichsweise hohen 8,7 Prozent, fällt aber stetig. Die Inflationsrate liegt mit 1,1 Prozent (Juni 2005) unter dem OECD-Durchschnitt. Der Anteil der Unternehmen an den finnischen Gesamtinvestitionen für Forschung und Entwicklung stieg von 57 Prozent 1991 auf 69 Prozent im Jahre 2004. Hauptgaranten für dieses Wachstum sind die Elektro- und die elektrotechnische Industrie.

 

Zeitzone:

In Finnland gilt die Osteuropäische Zeit. 12 Uhr in Berlin, Zürich oder Wien = 13 Uhr in Helsinki. Zwischen 30. März und 26.